1 und in diesem Zusammenhang ist die Rolle zu verstehen, die auch das Römische im neuen Europa-Gedanken spielen kann. Uns sind zwar die Voreingenommenheiten bekannt, die in gewissen Kreisen gegen das Römische genährt werden. Sie beruhen jedoch meistens auf einseitigen Angleichungen. So wird zum Beispiel das wahre römische Recht mit einem Recht verwechselt, das man lieber napoleonisches Recht nennen sollte und das von einem Universalismus und einem abstrakten Normativismus beeinträchtigt ist, die im organischen Gebilde des früheren römischen "imperialen Raumes" nur Verfallserscheinungen bedeuteten. Ebenso irrtümlich ist es, Römertum und katholische Kirche schlechthin gleichzusetzen. Man muß gewiß zugeben, daß das Römertum im Zusammenhang mit dem Katholizismus bei der Gestaltung der imperialen mittelalterlichen Kultur gewirkt hat. Man soll sich aber klar machen, um welchen Katholizismus es sich damals handelte. Das wahre römische Recht war nicht "universalistisch" im modernen, rationalistischen und aufklärerisch-freimaurerischen Sinne, sondern es war die Form eines wohlbestimmten imperialen Raumes oder Reiches, das als Grundlage ein ebenso wohlbestimmtes kulturelles und menschliches Ideal hatte. Der mittelalterliche Katholizismus bezog sich ebenfalls auf eine Christianitas, die sich hauptsächlich mit der Gemeinschaft der arischen europäischen Nationen identifizierte. Diese Gemeinschaft wurde als eine organische und kämpferische Einheit aufgefaßt und in ihr der Ethik der Ehre und der Treue eine weit größere Anerkennung gezollt als den Tugenden des Verzichts und der universellen humanitären Verbrüderung. Auch die Rolle, die damals der antijüdische Gedanke spielte, ist bekannt.
Wenn wir uns an diese, in ihrer Art mannhafte Phase des Katholizismus halten, können wir darin einige Werte erkennen, die nicht notwendigerweise mit dem arisch-römischen und dem arisch-germanischen Ideal in Widerspruch stehen. Man soll nicht vergessen, daß für viele europäische Völker der Katholizismus eine Überlieferung vieler Jahrhunderte bedeutet, die man nicht von heute auf morgen ohne zerstörerische Folgeerscheinungen über Bord werfen kann. In der Beziehung kann eine gemäße Richtigstellung und Auslese eher als eine glatte Ablehnung zum wahren, gemeinsamen Ziel führen. Ein Satz von Mussolini, der seinerzeit in vielen Kreisen Ärgernis erregte, lautet: "Ohne Rom wäre vielleicht das Christentum im Zustand einer der vielen in Palästina wimmelnden Sekten geblieben." In diesen Worten ist euch für die katholischen Länder ein Hinweis gegeben - nämlich im Katholizismus wiederzufinden und hervorzuheben, was er trotz allem an Arischem und "Römischem" enthält, und damit jenen Symbolen und Idealen entgegenzukommen, die andere europäische Völker ohne den Umweg über Katholizismus und Christentum unmittelbar aus ihren arischen Traditionen schöpfen können. Entscheidend ist jedenfalls, sich klarzumachen, daß auch für die neue Ordnung ein Anhaltspunkt nötig sein wird, ähnlich dem, den gerade das Römische - dem katholischen Kompromiß zum Trotz - in der Gestaltung der europäischen Kultur des Mittelalters darstellte. Wenn der Imperialismus ein Machtsystem bedeutet, in dem ein Teil sich den anderen, von ihm ausgenutzten und verwalteten Teilen aufdrängt, dann bedeutet hingegen das Reich oder Imperium das Führertum und die höhere Gerechtigkeit des unum, quod non est pars (jenes einen, das kein Teil ist).
Wir möchten nunmehr kurz auf die Rolle hindeuten, die unserer Meinung nach die germanische Komponente im Zusammenwirken mit der eigentlich römischen in der Gestaltung der geistigen Mittelpunkte der neuen imperialen Räume und der entsprechenden Reiche zu spielen hätte. Wir sagten, daß im Mittelalter diese Komponente hauptsächlich in der Lebenskultur zur Geltung kam. Heute kann sie sich in analoger Weise doppelt auswirken: verwaltungsmäßig im Sinne einer teilweisen Dezentralisation und Einteilung bzw. Graduierung der einzelnen politisch-territorialen Hoheiten; geistig und ethisch in der Bestimmung klarer und personalisierter Abhängigkeitsverhältnisse der Untergebenen und echten Verantwortungsinnes in den führenden Elementen. Dafür genüge es, die heute so geläufige Formel "Führer und Gefolgschaft" in ihrem tieferen, ursprünglicheren Sinne zu verstehen. In der Tat können wir uns die Struktur der neuen imperialen Organismen kaum anders vorstellen als auf Grund einer Art Lehenssystems mit einem zentralen Hoheitsrecht und einer Reihe von Teilhoheiten - imperium eminens et ius singulare. Es darf übrigens hervorgehoben werden, daß die schon angenommene Formel der "Protektorate" im Grunde denselben Gedanken widerspiegelt: die feudale Bindung ergab sich aus der Unterordnung und der Treue - fides - von der einen Seite, denen der "Schutz" durch den anderen Teil entsprach. In den Beziehungen der neuen Königreiche Kroatien und Montenegro gegenüber der italienischen Monarchie kommt dieselbe Idee zum Ausdruck. Dieser Grundsatz kann aber einen positiven, schöpferischen Wert erlangen nur unter der Voraussetzung eines neuen, normaleren Zustandes, in dem das ruhige, klare und würdevolle Gefühl der Nationalitäten an den Platz der Verbitterung, der Virulenz und der Unduldsamkeit der Nationalismen tritt. In diesem Zustand wird man wieder begreifen, daß es sowohl hinsichtlich eines Volkes wie einer Schicht oder des Einzelnen eine Unterordnung gibt, die kein Anlaß zu Erniedrigung oder Herabsetzung, sondern zu Stolz ist, weil sie die Teilnahme an einer höheren Kultur und Sendung ermöglicht und den Überlegenen dem Unterlegenen gegenüber verpflichtet.
Da es sich aber um Beziehungen zwischen europäischen Völkern handelt, sind die Ausdrücke "überlegen" und "unterlegen" keinesfalls im absoluten Wortsinne zu nehmen. In dieser Hinsicht besteht die Möglichkeit, das rassische Moment zur Geltung zu bringen, mit dem Ziel, die in jedem imperialen Raum enthaltene Substanz so weit wie möglich anzugleichen, so daß die Gliederung mehr auf verschieden intensiver Stufung denn auf tatsächlichen Qualitätsunterschieden heruht.
Um dieses Problem gründlich anzugehen, muß man seine Untrennbarkeit von dem der innerrassischen Auslese erkennen, Hier sei nur folgendes hervorgehoben. Wer heute von Rasse spricht, indem er damit mehr oder weniger ausdrücklich den gemeinsamen, in einer bestimmten Nation vorherrschenden Typ meint (und dies ist der Fall überall, wo Ausdrücke wie "deutsche" oder "italienische" oder "slawische" Rasse usw. gebraucht werden), der kann sich nicht auf primäre rassische Elemente im reinen Zustand beziehen, sondern auf völkische, mehr oder weniger beständige Zusammensetzungen. In diesen Zusammensetzungen sind in verschiedener Verteilung mehrere Rassen gegeben, und es wäre schwer, ein europäisches Volk zu nennen, in dem bis zu einem gewissen Grade eine der europäischen, von der wissenschaftlichen Rassenkunde unterschiedenen Hauptrassen nicht vertreten wäre. Die Forderung, daß in der Bestimmung der imperialen Räume auch das rassische Moment berücksichtigt werde, sollte daher richtig verstanden werden. Maßgebend ist dieser Beziehung kann nicht der faktische Prozentsatz sein, in dem eine bestimmte Rasse in einem bestimmten Volk vorhanden ist, sondern die Feststellung der Rasse, die in diesem Volke die führende Rolle spielt oder zu spielen hat und die dem Ganzen seine Prägung gibt. Man befindet sich damit in einer Welt der Potenzialitäten, der dynamischen Verhältnisse, der geistigen Einflüsse. Die grundlegende Bedingung für eine wirklich organische Gestaltung der imperialen Räume wird jedenfalls in der besonderen Hervorhehung und führenden Funktion jener rassischen und geistigen Elemente liegen, die innerhalb der in den einzelnen Großraum einbezogenen Völker denjenigen artverwandt sind, welche im höheren Grade in den eigentlichen imperialen Nationen vertreten sind. Sollen die beiden Pole der "Achse" auch die der beiden größeren europäischen Reichsgebilde sein, so müßte man diese Substanz, die sozusagen dazu bestimmt ist, auf Grund der Artverwandtachaft als Bindemittel zu dienen, auf das römisch-arische und andererseits auf das nordisch-germanische Element beziehen, wobei die beiden Elemente wiederum als Differenzierungen eines gemeinsamen ursprünglichen Stammes anzusehen sind.
Die Bedeutung und den spezifischen Inhalt dieser beiden Ausdrücke haben wir schon andernorts betrachtet. Hier sei nur erwähnt, daß wir nunmehr jeden weiteren Gebrauch von seinerzeit sehr beliebten Ausdrücken wie "lateinische Völker", "lateinische Brüderschaft" und Verwandtes ablehnen - Mussolini selbst hat in diesem Zusammenhang von "bastardischen Brüderschaften" gesprochen, und es ist bezeichnend, daß durch offizielle Verordnung in Italien veranlaßt wurde, in gewissen Texten für die Jugend den Ausdruck "lateinisch" durch "römisch" zu ersetzen. In der Tat ist "lateinisch" ein verdächtiger Ausdruck, der, wenn er etwas bedeutet, sich auf eine Tünche bezieht, die eine vermischte, durch Vorgänge des geistigen und politischen Verfalls geschwächte und unterminierte rassische Substanz überdeckt. Die wirklich kulturschaffende Kraft unserer Ursprünge ist nicht "lateinisch", sondern einfach römisch bzw. arisch-römisch: so wie diese Kraft für die Völker des nördlichen Kulturkreises einfach nordisch bzw. nordisch-germanisch ist. Dies mindestens, soweit die Aspekte der Kultur in Frage kommen, die uns allein interessieren und die wir allein als feste Grundlage für den europäischen Wiederaufbau und die neue Ordnung betrachten können.
Nun hätten wir die latenten Anlagen der verschiedenen europäischen Völker in bezug auf ihre mögliche Anlehnung an den einen oder den anderen der beiden achon erwähnten Pole zu betrachten. Eine solche Prüfung bei dem heutigen, noch dynamischen und stürmischen Stand der Dinge wäre jedoch voreilig. Viele Entwicklungen sind noch in vollem Gange. Man kann von einer Feuerprobe der Berufungen wie auch der verschiedenen staatlichen Gebilde sprechen, die noch nicht abgeschlossen ist. Es scheint, als ob das Schicksal gewollt hätte, daß die europäische Erneuerung nicht von innen heraus, sondern dank der von der Gewalt der Dinge und der Waffen verursachten Risse und Brücbe und im Prozeß einer tragischen Umwälzung erfolge, so daß wir erst in Zukunft sehen werden, ob tiefliegende Mächte tatsächlich an die Stelle der oberflächenhaften getreten sind und welches in jedem einzelnen Fall diese Mächte sind.
Dieses gewaltige Geschehen wird nur dann einen wirklich positiven Ausgang haben, wenn in der einen oder anderen Weise sich jene Mächte etwas von der gestaltenden Kraft bewahren, die schon die mittelalterliche Gemeinschaft der arischen Nationen ins Leben rief. Dies gilt für alle modernen abendländischen Völker, diejenigen nicht ausgeschlossen, die das römisch-germanische Mittelalter nicht erlebten, bei denen etwa die slawische Komponente vorbeherrschend ist und die im Zeichen des griechisch-orthodoxen Glaubens stehen oder standen. In der Tat wohnt diesem Glauben, einigen seiner Anschauungen nach, die Möglichkeit inne, leichter als in andern abendländischen Konfessionen gewisse Zwiespälte zwischen Geistigkeit und Politik zu überwinden. Die Wiederaufnahme des ökumenischen Gedankens dieses Glaubens bietet die Grundlage für ein organisches Ideal nationalen Lebens als Einheit von Sippe und Religion, der Lebendigen, der Toten und des Gottes-Gesetzes - ein Ideal, das in vieler Hinsicht mit dem übereinstimmt, das auch die geistige Vorhut unserer Revolutionen erstrebt und das soger viele Züge mit der Tradition des dritten Volkes des Dreimächtepaktes - Japans - gemeinsam hat.
Abgesehen von Rumänien, das nunmehr in unserer Front steht, könnten also auch slawische und griechisch-orthodoxe Völker organisch in die künftigen imperialen Räume der Achse einbezogen werden. Die Bedingung dafür wär sogar die Rückkehr zum innersten Kern ihrer eigenen Traditionen, die Ablehnung der slawischen Maske des bolschewistischen Wahnsinnes oder der heuchlerischen, äußerlich demokratisch bestimmten, aber innerlich rein imperialistischen Ideologie, mit der unsere Gegner so viele Nationen betrogen haben. Im neuen hierarchischen, germanischen und römischen Europa-Gedanken würden auch diese Völker den wahren Schwerpunkt ihrer besseren Bestrebungen sowie die Grundlage für eine geordnete und harmonische Entwicklung ihrer Möglichkeiten finden - im Zeichen und im Schutze einer höheren Kultur, die es versteht, Sie zu achten und zu schützen.
Anmerkungen:
- Vgl. dazu C. Steding, "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur", 2. Auflage, Hamburg 1938, S. XV.: "In unserer abendländischen Welt war der römische Staat der staatlichste aller Staaten und hatte gewissermaßen in idealtypischer Reinheit die Idee eines nordischen Staates verwirklicht: so kann es schon nicht überraschen, wenn er als vorbildlich empfunden wird: auch von Männern, die etwas auf sich halten, wie die Deutschen des Mittelalters... Ein einziger Blick in die Gesichter unserer Verfahren, soweit wie Gemälde und Bildwerke besitzen. sollte zeigen, daß die 'römische' Überfremdung ihnen zum mindesten nicht schlecht bekommen ist und daß sie weitaus männlicher, dichter, selbstbewußter und gesünder aussahen als unsere Zeitgenossen, die zur Negierung eines guten Teils unserer deutschen Vergangenheit kommen." Walter Frank setzt hinzu (ebenda): "So ist sich in Christoph Steding die Erbschaft der sächsischen Rebellen Widukinds begegnet mit dem Erbe jener am Verbild Roms gebildeten, aber aus der eigenen, staatengründenden Kraft der Germanen schöpfenden Reichstradition, die mit dem großen Karl, eisern und blutig wie alles weltgeschichtliche Geschehen, die zersplitterte Welt der deutschen Germanenstämme zur ersten Einheit zusammenzwang." (zurück)
(aus: Europäische Revue, XVIII, 2/1942; S. 69ff.)
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