
ЮЛИУС ЭВОЛА
последний кшатрий темного
века, вертикальный аристократ, тамплиер великой стены
Julius Evola
DER SAKRALE CHARAKTER DES KÖNIGTUMS
Jede große "traditionelle" Kulturform war durch das Vorhandensein von
Wesen charakterisiert, die durch ihre "Göttlichkeit", d.h. durch eine
angeborene oder erworbene Überlegenheit über die menschlichen und
natürlichen Bedingungen, fähig erschienen, die lebendige und wirksame
Gegenwart des metaphysischen Prinzips im Schoße der zeitlichen Ordnung
zu vertreten. Von solcher Art war, dem tieferen Sinn seiner Etymologie und
dem ursprünglichen Wert seiner Funktion nach, der Pontifex,
der "Brücken-" oder "Wege-Bauer" zwischen dem Natürlichen und dem
Übernatürlichen. Weiter identifizierte sich der Pontifex
überlieferungsgemäß mit dem Rex, entsprechend dem
herrschenden Begriff einer königlichen Göttlichkeit und
eines priesterlichen Königtums. (1) Die "göttlichen"
Könige verkörperten also im Dauerzustand jenes Leben, welches "jenseits
des Lebens" ist. Durch ihr Vorhandensein, vermöge ihrer "pontifikalen"
Vermittlung, durch die Kraft der ihrer Macht anvertrauten Riten und der
Institutionen, deren Urheber oder Stützen sie waren, strahlten geistige
Einflüsse auf die Welt der Menschen aus, die deren Gedanken, Absichten
und Handlungen durchdrangen, die einen Schutzwall bildeten gegen die dunklen
Kräfte der inferioren Natur; die dem gesamten Leben eine Ordnung gaben,
welche es geeignet machte, als fruchtbare Basis für die Verwirklichungen
von Höherem zu dienen; die infolgedessen die allgemeinen Voraussetzungen
schufen für "Gedeihen", für "Wohlfahrt", für "Glück".
Die Grundlagen der Autorität von Königen und Herrschern, das,
wofür sie verehrt, gefürchtet und verherrlicht wurden, war im antiken
Weltbild im Wesentlichen diese ihre heilige und übermenschliche Eigenschaft,
nicht als leere Redensart verstanden, sondern als Wirklichkeit.
Wie man das Unsichtbare als vorausgehendes und höheres Prinzip
gegenüber dem Sichtbaren und Zeitlichen empfand, dementsprechend erkannte
man solchen Naturen unmittelbar den Vorrang über alle und das
natürliche und absolute Herrscherrecht zu. Was allen traditionellen
Kulturen fehlt und erst Sache eines darauffolgenden und schon absteigenden
Zeitabschnittes wird, ist die laienhafte, weltliche, lediglich politische
Idee des Königtums und deshalb auch die eines Vorrangs, der
gegründet ist, sei es auf Gewalt und Ehrgeiz, sei es auf natürliche
und weltliche Eigenschaften, wie Intelligenz, Stärke, Geschicklichkeit,
Mut, Weisheit, Sorge für das materielle Allgemeinwohl und so weiter.
Noch fremder ist der Überlieferung die Idee, daß die Macht dem
König von denen übertragen werde, die er regiert; daß seine
Gesetze und seien Autorität Ausdruck des Volksbewußtseins seien
und dessen Billigung unterstellt. An der Wurzel jeder zeitlichen Macht
fand sich vielmehr die geistige Autorität eines gleichsam "göttlichen
Wesens in Menschengestalt" (2). Bâsileis ieroí: der König
- mehr als ein Mensch, ein heiliges kosmisches Wesen - verfügt über
die transzendente Kraft, die ihn von jedem Sterblichen distanziert, indem
sie ihn befähigt, seinen Untertanen Gaben zu spenden, die außerhalb
der menschlichen Reichweite liegen, und ihn imstande setzt, den
überlieferungsgemäßen rituellen Handlungen zur Wirksamkeit
zu verhelfen, auf die er, wie wir sagten, das Vorrecht besitzt und in denen
man die Glieder des wahren "Regierens" und die übernatürlichen
Stützen des gesamten traditionsgebundenen Lebens erkannte. (3) Deshalb
herrschte das Königtum und wurde für natürlich gehalten.
Materielle Macht hatte es nicht nötig. Es zwang sich zuerst und
unwiderstehlich durch den Geist auf. "Herrlich ist die Würde eines
Gottes auf Erden", steht in einem arischen Text, "aber für
die Unzulänglichen schwer zu erlangen: würdig, König zu sein,
ist lediglich der, dessen Sinn sich zu solcher Höhe erhebt."
In der Überlieferung entsprach der königlichen Göttlichkeit
wesentlich das Sonnen-Symbol. Man erkannte dem König denselben
"Ruhm" zu, der der Sonne und dem Lichte gehört - Symbolen der höheren
Natur - , wenn sie allmorgendlich über die Finsternis triumphieren.
"Als König steigt er des Horus (der Sonne) Thron der Lebenden
empor, gleich seinem Vater Râ, jeglichen Tag"; "Ich habe bestimmt,
daß du dich als König des Südens und des Nordens auf dem
Throne des Horus erhebst, gleich der Sonne, ewiglich" - das sind
Wendungen, die sich auf das altägyptische Königtum beziehen. Sie
stimmen übrigens genau mit den iranischen überein, wo vom König
gesagt wird, er sei "vom selben Geschlecht wie die Götter", er "hat
denselben Thron wie Mithra, er steigt mit den Sonne empor", und wo er
particeps siderum genannt wird, "Herr des Friedens, Heil der Menschen,
ewiger Mensch, Sieger, der mit der Sonne emporsteigt".
Dieser solare "Ruhm" oder "Sieg", der also die Königsnatur und ihr Recht
von oben bestimmte, beschränkte sich übrigens nicht auf ein
bloßes Symbol, sondern identifizierte sich mit einer realen und schaffenden
Kraft, als deren Träger der König als solcher angesehen wurde.
Im alten Ägypten wurde der König auch "kämpfender Horus" -
hor âhâ - genannt, um diesen Charakter des Siegs oder
Ruhms des im König verkörperten solaren Prinzips zu bezeichnen:
der König war in Ägypten nicht nur "göttlicher Herkunft",
sondern wurde auch als solcher "eingesetzt" und dann periodisch durch Riten
beglaubigt, die eben den Sieg des Sonnengottes Horus über Typhon-Seth,
den Dämon des inferioren Bereiches, darstellten. Solchen Riten schrieb
man übrigens die Macht zu, eine "Kraft" und ein "Leben" an sich zu ziehen,
die auf übernatürlichem Wege die Fähigkeiten des Königs
"umschlangen". Aber das Ideogramm uas, "Kraft", ist das Zepter,
das die Götter und die Könige tragen, ein Ideogramm, das in den
älteren Texten für ein anderes Zepter in Zackenform steht, in welchem
man den Zickzack des Blitzes erkennt. Die königliche "Kraft" erscheint
so als eine Manifestation der himmlischen Blitzeskraft; und die Vereinigung
der Zeichen "Leben-Kraft", ânshûs, bildet ein Wort,
das auch die "Flammenmilch" bezeichnet, von der sich die Unsterblichen
nähren, seinerseits nicht ohne Beziehung zum uraeus, der
göttlichen Flamme, die bald lebenserweckend, bald
zerstörerisch wirkt und deren Symbol das Haupt des ägyptischen
Königs umgibt. Die verschiedenen Elemente konvergieren also
ausschließlich in der Idee einer "nicht irdischen" Macht (oder Fluidums)
- sa -, die die sieghafte Sonnenatur des Königs weiht und
beglaubigt und die von einem König zum anderen "schnellt" -
sotpu -, die ununterbrochene "goldene" Kette des
"Königsgeschlechts" bildend, das zum Regieren bestimmt ist. (4)
Nach der Überlieferung des Fernen Ostens hat der König, der "Sohn
des Himmels" - t'ien-tze -, d.h., der nicht nach den Gesetzen der
Sterblichen Geborene, den "himmlischen Auftrag" - t'ien-ming -, der gleichfalls
die Idee einer übernatürlichen realen Kraft mit einbegreift. Die
Art dieser Kraft "vom Himmel" ist nach der Bezeichnung des Lao-tze Tun-ohne-Tun
(wei-wu-wei) oder immaterielle Tat durch Gegenwart. Sie
ist unsichtbar wie der Wind und hat gleichwohl das Unwiderstehliche einer
Naturgewalt: die Kräfte des gewöhnlichen Menschen - sagt Meng-tze
- biegen sich darunter wie sich die Halme unter dem Wind biegen. (5) In dieser
Kraft oder "Tugend" verankert, bildete der Herrscher im alten China
tatsächlich das Zentrum einer jeden anderen Sache oder Energie. Man
war überzeugt, daß von seinem Verhalten insgeheim nicht nur Glanz
oder Elend seines Reiches abhing (es ist die "Tugend" - te' - des
Herrschers, weniger sein Beispiel, wodurch das Betragen seines Volkes gut
oder böse wird), sondern auch der geregelte und günstige Verlauf
der Naturereignisse selbst. Seine Funktion als Mittelpunkt implizierte sein
Verharren in jener innerlichen, "sieghaften" Seinsart, von der die Rede war
und der hier der Sinn des bekannten Ausdrucks "Unveränderlichkeit in
der Mitte" entsprechen mag. Aber wenn dem so ist, kann keine Macht gegen
seine "Tugend" aufkommen, um den überlieferungsgemäß geordneten
Verlauf der menschlichen und selbst der natürlichen Dinge zu stören.
Bei jedem normalen Ereignis mußte also der Herrscher die letzte Ursache
und die geheime Verantwortung dafür in sich selbst suchen.
Allgemeiner gesagt, die Idee von heiligen Eingriffen, durch die der Mensch
mit seinen verborgenen Kräften die natürliche Ordnung aufrecht
erhält und sozusagen das Leben der Natur erneuert, gehört einer
frühesten Überlieferung an und interferiert sehr häufig mit
der Königsidee selbst. Daß die erste und wesentlichste Funktion
des Königs im Vollzug jener rituellen und sakrifikalen Handlungen besteht,
die den Schwerpunkt des Lebens in der traditionsgebundenen Welt darstellten,
ist jedenfalls eine Idee, die in allen regulären Formen der
Überlieferung fortdauert, bis zu den griechischen Städten und bis
auf Rom (6), indem sie die schon erwähnte Untrennbarkeit der
königlichen Würde von den sakrifikalen und pontifikalen erzeugt.
Der König, mit nichtirdischen Kräften versehen, ein göttliches
Wesen, erschien auf natürlichem Wege als der, welcher unmittelbar
fähig ist, die Macht der Riten zur Entfaltung zu bringen und die Wege
zur höheren Welt zu erschließen. In jenen Formen der
Überlieferung, in denen eine besondere Priesterkaste erscheint, gehört
deshalb der König, wenn er seiner ursprünglichen Würde und
Funktion entspricht, ihr an, und zwar als ihr Oberhaupt, pontifex
maximus. Wenn wir, umgekehrt, bei gewissen Völkern den Brauch
vorfinden, beim Eintritt eines Versagens das Oberhaupt abzusetzen oder zu
beseitigen - denn dieses Versagen galt ihnen als ein Verfallszeichen der
mystischen Kraft des "Glücks", derentwegen man das Recht hatte, Oberhaupt
zu sein -, so haben wir hier den Widerhall von etwas, das, wenn auch in Formen
materialistischer Entartung, uns auf dieselbe Ideenfolge zurückführt.
Und bei den nordischen Völkern, bis zur Zeit der Goten, wo das Prinzip
der königlichen Göttlichkeit zwar unangetastet blieb (der König
wurde hier Ases genannt, der Eigenname einer bestimmten skandinavischen
Götterkategorie), galt als ein unglückliches Ereignis, wie z.B.
eine Hungersnot, eine Seuche oder eine Mißernte, wenn auch nicht gerade
als das Fehlen der an den König gebundenen mystischen Macht des
"Glücks", so doch als der Effekt von etwas, das der König begangen
haben mußte, und das die objektive Wirksamkeit seiner Macht unterband.
Man verlangte deshalb vom König, daß er die symbolische und solare
Eigenschaft des invictus - sol invictus, élios aníketos
- bewahre und damit den Zustand einer unerschütterlichen und
übermenschlichen Zentralität aufrecht erhalte, die genau der Idee
des Fernen Ostens von der "Unerschütterlichkeit in der Mitte" entspricht.
Andernfalls ging die Kraft, und mit ihr die Funktion, auf denjenigen
über, der bewies, daß er sie besser an sich zu ziehen verstand.
Schon hier kann man auf einen der Fälle hinweisen, in denen die Vorstellung
vom "Sieg" zum Knotenpunkt verschiedener Bedeutungen wird. Wer sie richtig
versteht, für den ist in dieser Beziehung höchst bedeutungsvoll
die Legende vom König der Wälder von Nemi, dessen Würde
in einer Zeit des König- und Priestertums auf den überging, dem
es gelungen wäre, ihn zu überraschen und zu "töten" - und
bekannt ist auch Frazers Versuch, mannigfache Überlieferungen gleichen
Typs, die es so ziemlich überall auf der Welt gibt, auf eben diese Legende
zurückzuführen. Natürlich ist hier die "Probe" als
körperlicher Kampf - sollte er auch in Wirklichkeit nie stattgefunden
haben - nur die materialistische Reduktion von etwas, dem eine höhere
Bedeutung innewohnt. Um den tieferen Sinn erfassen zu können, der sich
in der Legende des Priester-Königs von Nemi verbirgt, muß man
sich erinnern, daß nach der Überlieferung den Rex Nemorensis zu
stellen nur ein "entflohener Sklave" berechtigt war (d.h. esoterisch verstanden,
ein den Fesseln der inferioren Natur entflohenes Wesen), nachdem
er zuvor in den Besitz eines Zweiges der heiligen Eiche gelangt ist. Aber
die Eiche ist gleichwertig mit dem "Baum der Welt" vieler anderer
Überlieferungen und ein ziemlich gebräuchliches Symbol, um die
Urkraft des Lebens zu bezeichnen; womit ausgedrückt wird, daß
nur ein Wesen, das an dieser Kraft teilhaben will, danach trachten kann,
dem Rex Nemorensis die Würde zu entreißen. Was diese Würde
anbelangt, ist daran zu erinnern, daß die Eiche und auch das Gehölz,
dessen "rex" der Priester-König von Nemi war, in Beziehung zu Diana
stand und daß Diana sogar die "Buhlerin" des Königs der Wälder
war. Die großen asiatischen Göttinnen der Natur wurden in den
alten Überlieferungen des orientalischen Mittelstandes oftmals durch
heilige Bäume symbolisiert: worin wir, unter den Symbolen, die Idee
von einem Königtum entdecken, das sich herleitet von der Vermählung
oder Paarung mit dieser mystischen "Lebens"-Kraft - die auch die der
transzendenten Weisheit und der Unsterblichkeit ist -, verkörpert sowohl
in der Göttin als auch im Baum. So bekommt die Sage von Nemi die allgemeine
Bedeutung, die wir in vielen anderen Mythen und Legenden der Überlieferung
finden, nämlich die eines "Siegers" oder "Helden", der als solcher an
Stelle des rex in den Besitz einer Frau oder Göttin gelangt, die in
anderen Überlieferungen in der indirekten Bedeutung einer
Hüterin von Früchten der Unsterblichkeit auftritt (die Frauengestalten
in Beziehung zum symbolischen Baum in den Mythen von Herakles, Jason, Gilgamesch
usw.) oder in der direkten Bedeutung einer Personifikation der geheimen
Kräfte der Welt und des Lebens oder des übermenschlichen Wissens
(7).
Reste von Überlieferungen, in denen die in der archaischen Sage vom
König der Wälder enthaltenen Themen wiederkehren, bleiben
übrigens bis zum Ende des Mittelalters, wenn nicht noch länger,
erhalten und sind stets mit dem antiken Gedanken verknüpft, daß
das rechtmäßige Königtum die Neigung hat, auch in
spezifischer und konkreter, wir möchten sagen "experimenteller" Weise
untrügliche Zeichen seiner übernatürlichen Natur zu
bekunden. Ein einziges Beispiel: vor Ausbruch des
Dreißigjährigen Krieges verlangte Venedig von Philipp von Valois,
daß er sein tatsächliches Recht, die Königskrone zu tragen,
durch eines der folgenden Mittel beweise. Das erste, das der Sieg über
seinen Widersacher ist, mit dem er auf dem Turnierplatz hätte kämpfen
müssen, bringt uns in der Tat auf den Rex Nemorensis und auf die mystische
Beglaubigung eines jeden "Sieges" zurück (8). Über die beiden anderen
Mittel liest man in einem Texte der Zeit: "Wenn Philipp von Valois, wie
er behauptet, wahrer König von Frankreich ist, soll er es dadurch zeigen,
daß er sich hungrigen Löwen aussetzt, denn die Löwen verwunden
nie einen wirklichen König; oder aber er vollbringe das Wunder der Heilung
von Kranken, wie es die anderen wahren Könige zu vollbringen pflegen...
Im Falle des Mißerfolges würde man ihn seiner Krone als unwürdig
erachten."
Die übernatürliche Macht, die sich im Sieg oder in der thaumaturgischen
Tugend offenbart, läßt sich also auch in Zeiten, welche wie die
Philipp von Valois schon in die "moderne" Ära fallen, nicht trennen
von der Idee, die man traditionsgemäß vom wahren und
rechtmäßigen Königtum hatte (9). Und sieht man auch ab von
der tatsächlichen Angleichung der einzelnen Personen an sie, so bleibt
doch die Idee bestehen, daß "das, was die Könige in solche
Verehrung gebracht hat, hauptsächlich die göttlichen Tugenden und
Kräfte gewesen sind, die nur in ihnen vorhanden waren und nicht auch
in anderen Menschen". Joseph de Maistre schreibt: "Gott setzt die
Könige buchstäblich ein. Er bereitet die Königsgeschlechter
vor; er läßt sie in einer Wolke gedeihen, die ihren Ursprung
verhüllt. Endlich treten sie hervor, mit Ruhm und Ehre gekrönt;
sie setzen sich ein, und das ist das größte Zeichen ihrer
Rechtmäßigkeit. Sie steigen von selbst empor, ohne Gewalt von
der einen Seite und ohne ausdrückliche Verhandlung von der anderen.
Hier herrscht eine gewisse großartige Ruhe, die nicht leicht zu beschreiben
ist. Rechtmäßige Usurpation - das schiene mir der treffendste
Ausdruck (wäre er nicht zu kühn), um diese Art von Ursprung zu
bezeichnen, dem die Zeit dann bald ihre Weihe erteilt." (10)
Anmerkungen:
- Vgl. Servius, Ad Aened., III 268: "Majorum haec consuetudo
at rex esset etiam sacerdos et pontifex". Dasselbe läßt sich -
wie bekannt - für die urnordischen Stämme sagen.
- Im Mânavadharmçastra (VII, 8) wird der König
als "große Gottheit in Menschengestalt" bezeichnet. Der ägyptische
König galt als Manifestation von Râ und von Horus. Die Könige
von Alba und von Rom personifizierten Jupiter, die urnordischen Odin und
Tiuz, die assyrischen Baal, die iranischen den Gott des Lichtes, und so fort.
Die Idee einer göttlichen oder himmlischen - wie wir sehen werden, vor
allem einer solaren - Abstammung ist allen vormodernen
Königstraditionen gemein.
- Umgekehrt konnte der König in Griechenland und Rom nicht mehr
König sein, wenn er sich des Priesteramtes als unwürdig erwies,
um dessenwillen er rex sacrorum war. Erster und höchster Vollzieher
der Riten für diejenige Wesenheit, deren gleichzeitiger Temporalfall
er war.
- Einer der Namen der ägyptischen Könige ist "Horus aus Gold
gemacht", wo das Gold das "solare" Fluidum bezeichnet, aus dem der "unverwesliche
Leib" der Unsterblichen entsteht: gleichzusetzen der obengenannten "Flammenmilch"
und der "Blitzeskraft", die beide sich ebenfalls an der Sonnenflamme
stärken und sich auf den König beziehen. Nicht uninteressant ist
der Hinweis, daß der Ruhm in der christlichen Überlieferung als
Attribut Gottes figuriert - gloria in excelsis deo - und daß nach der
mystischen Theologie in der "Glorie" sich die Vision der "Seligpreisung"
erfüllt. Die christliche Ikonographie pflegt sie als Aureole um das
Haupt der Heiligen zu breiten, die den Sinn den königlichen
ägyptischen uraeus und der Strahlenkrone des iranisch-römischen
Königtums wiedergibt.
- Über die Art der "Tugend", deren Inhaber der König ist, vgl.
Dschung-yung, XXXIII, 6, wo es heißt, daß die geheimen
Aktionen des "Himmels" den äußersten Grad des Immateriellen erreichen
- "sie haben weder Klang noch Geruch", sie sind zart "wie die leichteste
Feder". Zum Tun-ohne-Tun vgl. ebd. XXVI, 5-6: "Es gleichen sich die im
höchsten Grade vollkommenen Menschen durch die Weite und die Tiefe ihrer
Tugend der Erde an; durch die Höhe und den Glanz derselben gleichen
sie sich dem Himmel an; durch die Ausdehnung und die Dauer gleichen sie sich
dem Raum und der Zeit an, die ohne Grenzen sind. Der, welcher in dieser
herrlichen Vollkommenheit lebt, er zeigt sich nicht und dennoch offenbart
er sich, wie die Erde, durch seine Wohltätigkeit; er bewegt sich nicht
und dennoch bewirkt er, wie der Himmel, vielfachen Wandel; er handelt nicht
und dennoch bringt er, wie Raum und Zeit, seine Werke zur letzten Vollendung".
Weiter unten - XXXI, 1 - wird gesagt, daß nur ein solcher Mensch
"würdig ist, die höchste Autorität zu besitzen und den Menschen
zu befehlen."
- Aristoteles (Pol. VI, 5, 11; vgl. III, 9) sagt: "Die Könige haben
diese ihre Würde dadurch, daß sie Priester eines gemeinschaftlichen
Kultes sind." Die wichtigste Handlung, die dem König von Sparta zukam,
war die Darbringung von Opfern; und dasselbe ließe sich von den ersten
römischen Königen sagen und dann auch von den Herrschern der
Kaiserzeit.
- Vgl. J. Evola, La tradizione ermetica, Bari 1931, S. 13-25.
Einige alte Überlieferungen, in Bezug auf einen "weiblichen" Ursprung
der Königsmacht, lassen sich zuweilen nach dieser Maßgabe auslegen.
Ihre Bedeutung ist dann genau die entgegengesetzte von jener, die der
"gynäkokratischen" Anschauung eignet, auf die wir vielleicht bei anderer
Gelegenheit zurückkommen werden. - Über den Zusammenhang zwischen
göttlichem Weib, Baum und sakralem Königtum vgl. auch die Wendungen
im Zohar (III, 50b., III, 51 a - auch II, 144b, 145a, mit Bezugnahme
auf Moses als Gemahl der "Matrone"), wo es heißt, daß "der Weg,
der zum großen Lebensbaum führt, die große Matrone ist"
und daß "alle Macht des Königs in der Matrone wohnt", da die "Matrone"
die "weibliche" und der Gottheit immanente Form ist; jene, der später
bei den Gnostikern, als "heiligem Geist", oftmals wieder ein weibliches Sinnbild
entspricht (die Jungfrau Sophia). In der japanischen Überlieferung ,
die bis heute unverändert fortbesteht, wird der Ursprung der
Kaisermacht auf eine Sonnengöttin zurückgeführt - Amaterasu
Omikami -, und der Kernpunkt der Zeremonie für den Aufstieg zur Macht
- dajo sai - ist durch die Beziehung gegeben, die der König mit ihr
durch die "Darreichung der neuen Speise" anknüpft. - Was den "Baum"
anbelangt, ist der Hinweis nicht uninteressant, daß er auch in den
mittelalterlichen Sagen in Beziehung zur Kaiseridee bleibt: der letzte Kaiser
wird vor seinem Tode Zepter, Krone und Schwert am "dürren Baume"
aufhängen, der sich gewöhnlich in der symbolischen Region des
Presbyters Johannes befindet, genau wie der sterbende Roland sein
unzerbrechliches Schwert am "Baume" aufhängt. Weitere Übereinstimmung:
Frazer hat auf die Beziehung hingewiesen zwischen dem Zweig, den der entflohene
Sklave von der heiligen Eiche der Nemi brechen muß, um mit dem König
der Wälder kämpfen zu können, und dem Goldenen Zweig, der
Aeneas erlaubt, als Lebender in die Unterwelt hinunterzusteigen, d.h. als
Lebender in das Unsichtbare eingeweiht zu werden zu können. Nun wird
aber eines der Geschenke, die Kaiser Friedrich II. von dem Presbyter
empfängt, gerade ein Ring sein, der "unsichtbar" macht (d.h. in der
Unsterblichkeit und ins Unsichtbare versetzt: in den griechischen
Überlieferungen ist die Unsterblichkeit des Helden oft ein Synonym für
ihren Übergang zum unsterblichen Leben) und der den "Sieg" verschafft:
genau wie Siegfried in den Nibelungen durch die symbolische Tugend
des Sich-unsichtbar-machens die "göttliche" Brunhild bezwingt und zum
königlichen Hochzeitslager führt.
- Bei anderer Gelegenheit werden wir die Auffassung noch besser erhellen,
die uns hier - wie, allgemeiner, in der "Waffenprobe" bestimmten
mittelalterlichen Rittertums - eigentlich nur in grob materialistischer Form
entgegentritt. Der Überlieferung nach war der Sieger nur insofern ein
solcher, als sich in ihm eine übermenschliche Energie verkörperte;
und eine übermenschliche Energie verkörperte sich in ihm, insofern
er Sieger wurde: zwei Momente in einem einzigen Akte, das Zusammentreffen
eines "Abstieges" mit einem "Aufstieg".
- Die thaumaturgische Tugend wird von der Überlieferung auch den
römischen Kaisern Hadrian und Vespasian bestätigt (Tacitus,
Hist., IV, 81; Sueton, Vespas., VII). Bei den Karolingern
finden wir Spuren einer Idee, derzufolge sich die soterische Kraft gleichsam
materiell bis in die Königsgewänder auswirkt. Angefangen von Robert
dem Frommen, über die Könige von Frankreich, und von Eduard dem
Bekenner über jene von England, bis zum Zeitalter der Revolutionen,
überträgt sich sodann auf dynastischem Wege die thaumaturgische
Macht, die sich zunächst auf die Heilung aller Krankheiten erstreckt,
sich später auf einige von ihnen beschränkt und sich in tausenden
von Fällen erprobt hat, so sehr, daß sie nach einem Wort von Pierre
Mathieu "als einziges Wunder von Dauer in der Religion der Christen" erscheint.
Zu den geistigen Einflüssen, die sich in den Helden auswirkten, deren
Kult man in Griechenland feierte, zählte man außer den prophetischen
oft auch die soterische Tugend.
- Auch in der iranischen Überlieferung herrschte die Ansicht, daß
die Natur eines königlichen Wesens sich früher oder später
unweigerlich durchsetzen müsse. Der Stelle von De Maistre entnimmt man
den Brauch des symbolischen Verhüllens mit einer Wolke, den man
traditionsgemäß, in Griechenland vor allem, auf die geraubten
und unsterblich gemachten "Helden" anwandte; außerdem wird hier die
alte mystische Idee des Sieges ersichtlich, insofern das "Sich-Einsetzen"
nach De Maistre das "größte Zeichen für die
Rechtmäßigkeit" der Könige ist.
Эвола
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